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Donnerstag, 14. Dezember 2017
Blog oder Tagebuch?

Als ich 2003, einem Jahr, in dem es mir nicht besonders gut ging, die Möglichkeit entdeckte, ein Online-Tagebuch zu führen, schien mir dies eine geniale Idee. Gab es mir doch die Möglichkeit, anonym und unzensiert zu schreiben, was ich wollte. Natürlich hätte ich auch gerne Romane für die Weltliteratur geschrieben, aber das musste noch ein bisschen warten.

So begann ich bei einem Tagebuchclub, meine täglichen Gedanken zu Papier zu bringen bzw. auf den Bildschirm. Hundertprozentiger Tagebuchschreiber war ich aber aus zwei Gründen nie. Erstens war mir das nicht literarisch genug und damit auch irgendwie zu privat. Und zweitens siehe oben, Thema Weltliteratur.

Was das Tagebuchschreiben betrifft, schrieb mir mein Blogger-Freund Jules van der Ley neulich folgenden Kommentar.

"Es gibt mindestens zwei Wahrheiten im Kopf eines Menschen, die offizielle Version, die man nach außen tragen kann und eine Version, die dem inneren Zensor zum Opfer fällt. Wenn ich in einem Tagebuch lese, frage ich mich oft, was hiervon wohl die inoffizielle Version war. Denn selbst beim Tagebuchschreiben wirkte der innere Zensor, obwohl man doch für sich schreibt."
https://schreibmanblog.wordpress.com/2017/12/11/fragen/#comment-84

Ich stieg dann bald auf Blogseiten wie 20six, Blogigo, Myblog und Twoday um, was mir gegenüber dem reinen Tagebuchschreiben ein Fortschritt schien. Ich konnte über alles schreiben, wie es mir gefiel und ohne dass es unbedingt einer festen Kategorie zugehörig sein musste wie Satire, Essay oder Kolumne. Da ich inzwischen auch eine Digitalkamera hatte, konnte ich auch eigene Fotos mit in meine Texte einbauen.

Und jetzt lese ich bei einer Kollegin:

"Ein Blog. Das ist doch schon furchtbar out. Liest kein Schwein mehr."
https://leckerlies.wordpress.com/2017/12/13/ein-neuer-anfang/

Das ist also eine neue Stufe. Hoffentlich auf einer Treppe, die dennoch mehr nach oben als nach unten führt. Was natürlich ein ganz schiefes Bild ist. Denn Treppen, die nur nach oben führen, gibt es nicht.

Was ich sagen will: Die Möglichkeiten der Bloggerei scheinen mir noch lange nicht ausgeschöpft.

Diverse Tagebuch- und Communityseiten haben nach und nach geschlossen oder sind gerade dabei zu schliessen. In ein paar Tagen endet die gemütlichgeschrumpfte Seite myTagebuch.de und die Mitglieder stehen vor dem Umzug in weniger hyggelige Gefilde.

Aber auch hier bei blogger.de und bei Wordpress gibt's viele nette Menschen, die gerne schreiben. Über alles und noch viel mehr.


https://schreibmanblog.wordpress.com/

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Montag, 11. Dezember 2017
Fragen

Sowohl im täglichen Leben als auch beim Anschauen von Filmen oder Fernsehsendungen stelle ich mir permanent Fragen.

Im täglichen Leben sieht das so aus, dass ich mich oft frage, wie etwas aufgefasst werden könnte, was ich dann sagen oder nicht sagen werde. Oft erlebe ich die Überraschung, dass die Reaktion ganz anders ausfällt als erwartet.

Oft ist es aber auch so, dass ich bestimmte Dinge gar nicht erst sage oder schreibe, weil ich die negative Reaktion darauf so unverrückbar vor mir sehe, dass ich lieber schweige statt etwas zum Ausdruck zu bringen.

Bei Filmen stelle ich mir ständig die Frage, wie wohl die Regieanweisung ausgesehen hat, die ein Schauspieler oder eine Schauspielerin erhalten haben müsste, um so zu agieren wie er oder sie es tut. Ich stelle mir dann den Regisseur vor, wie er dem Schauspieler eine Grimasse vormacht, die als Regieanweisung dienen soll. Er sagt dann: "Kuck jetzt so als wenn du enttäuscht wärst" oder "Rolle einfach die Augen und blicke nach oben" usw.

Doch wahrscheinlich ist alles ganz anders.

Auch bei Talk- oder Gerichtsshows frage ich mich oft, was die Sprecher im Kopf haben, was sie sagen wollen oder sollen, ob sie einem Drehbuch folgen oder ob sie improvisieren. Das gilt auch bei Interviews mit Politikern.

Jetzt stelle ich mir mal die Frage, was die geneigten Leser dieser Zeilen wohl sagen oder denken könnten, wenn der Text jetzt hier einfach endet. Wahrscheinlich werden sie sich auch Fragen stellen.

Zum Beispiel: "Was will uns der Schreiber damit sagen?" oder "Was soll ich mit so einem Text jetzt anfangen?" oder "Kommt jetzt noch was?" (Nein, es kommt nichts mehr) oder "Soll ich jetzt schnell nach unten scrollen, um zu sehen, wie lange dieser Quatsch noch dauert?" oder "So ein Blödsinn!" (Letzteres wäre dann eher ein Ausruf als eine Frage.)

Und ich frage mich jetzt, ob ich noch ein bisschen weiter schreiben oder einfach hier aufhören soll. Denn es nützt ja eh nichts.

Man kann einfach nichts vorhersehen oder vorhersagen.

Und das ist auch besser so.

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Montag, 4. Dezember 2017
Doppelt gemoppelt

Man sagt ja "Der beste Sex findet im Kopf statt". Ich werde da gleich noch mal drauf zurückkommen.

Bin gerade eine 30 km lange Strecke, die ich sehr gut kenne, hin und zurück mit zwei Navis gefahren. Ich wollte mal sehen, wie die sich unterscheiden. Also die Dame vom Handy spricht etwas flotter und duzt mich, die vom Tomtom klingt eher gediegen und siezt mich.

Beide gleichzeitig in Betrieb ergeben nun nicht etwa ein doppelt gutes Ergebnis. Sie ähneln sich zwar mehr oder weniger in verschiedenen Details; aber ob mit einer oder zwei, Weg und Ziel bleiben sich gleich.

Also von wegen "Doppelt gemoppelt hält besser", das stimmt überhaupt nicht. Das können wir auch an anderen Beispielen belegen. Nehmen wir zum Beispiel getrüffelte Gänseleber. Trüffel sind teuer, Gänsestopfleber ist teuer und beides für sich ist schon ein Geschmackserlebnis.

Wenn man daraus eine Doppeldelikatesse macht, ist jeder Happen, den man in den Mund schiebt, auch immer nur ein Happen. Dieses Zusammenfügen von zwei teuren Produkten dient einzig und allein dazu, das Gesamtprodukt zu verteuern ohne ein noch tolleres Erlebnis zu erzeugen.

Der Verbraucher weiss allerdings nicht, ob die Sache nur wegen der Trüffelstückchen so teuer ist oder wegen der Gänseleber, wogegen der Verkäufer ein doppeltes Argument dafür anführen kann, dass er einen völlig überhöhten Preis verlangt.

Ähnlich ist es bei diesen Dinnerkrimis oder Krimidinnern, wie sie jetzt im Winter gerne angeboten werden. Deren Preis liegt meist bei rund 80 €. Kein Mensch würde für das Essen, was man dafür erhält, 80 € zahlen, und dasselbe gilt für die mitgelieferte theatralische Darbietung.

Die Veranstalter können natürlich immer sagen, ja, das Essen alleine ist natürlich keine 80 € wert, aber es gibt ja den Krimi dazu. Oder der Krimi an sich ist keine 80 € wert, aber es gibt ja ein Essen dazu. Das ist letztlich Beschiss auf der ganzen Linie.

Und ich möchte mal glatt behaupten, dass Ähnliches bei bestimmten Kombinationen im Bereich des Sex gilt. Nur dass es da weniger mit Geld, Essen und Theater zu tun hat. Obwohl, kommt halt drauf an.

Also, jeder Mann hat doch wohl schon mal davon geträumt oder fantasiert, mit zwei Frauen gleichzeitig Sex zu haben, da bin ich nicht der einzige, das weiss ich ganz sicher. Ich bin aber inzwischen auch ziemlich sicher, dass sich das Erlebnis dadurch weder verdoppelt noch gar verdreifacht. Es ist sicher irgendwie ganz anders als mit zwei Frauen nacheinander.

Ich sehe das jetzt mal nur aus der Sicht des Mannes. Wie Frauen das empfinden, kann ich ja nicht beurteilen. Aber ich bin sicher, dass ein flotter Dreier besser in der Fantasie bleibt als in die Realität umgesetzt zu werden.

Ich kann mich natürlich auch täuschen.

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Dienstag, 28. November 2017
Mit dem Teufel auf Du und Du

Das Glücklichseinwollen hab ich jetzt endgültig satt. Solange ich noch schreiben und einigermassen klar denken kann und es noch nicht wehtut, geht's doch.

Ich möchte gar nicht drüber nachdenken, wieviel Lebenszeit man mit der gezielten Suche nach dem Glück und diversen entsprechenden Rezepten verschwendet.

Es kann und muss doch nicht immer alles genau so klappen wie man es geplant hat und gerne gewollt hätte.

Bei kleineren Missgeschicken, wenn was runterfällt oder kaputtgeht oder man einfach nur mit der Tücke des Objekts zu kämpfen hat, darf man fluchen. "Verdammte Scheisse!" oder "So ein Wichs!" denke ich dann ziemlich laut in mich hinein.

Gerne auch "So ein Arschloch!" Ob der nun Anton Schlecker heisst oder ... Wie hiess noch dieser Wichtigtuer von der FDP? Mir fällt grad der Name nicht ein. Fluchen tut jedenfalls gut, deswegen ist man ja nicht gleich unglücklich.

Bei grösserem Unglücklichsein würde ich es mit einem anderen Zeitgenossen halten, von dem ich neulich las.

In einer Erzählung schildert der Autor einen verheirateten Mann, der entdeckt, dass seine Frau ihn betrügt. Er liebt sie aber und will sich nicht trennen. An einem Nachmittag, an dem er seine Frau in den Armen des Liebhabers weiss, stellt er sich mitten in die gemeinsame Wohnung, schliesst die Augen und konzentriert sich auf den Schmerz, um ihn, letztlich, als Ausdruck höchster Lebensintensität zu: geniessen. Grossartig!
https://trittenheim.wordpress.com/2017/11/07/beobachtung-auf-hoehe-der-hasenpfote/#comment-10761

Ich bin Gott sei Dank nicht in so einer Situation. Aber ich finde das eine gute Idee, auch mal innezuhalten und ein bestimmtes Gefühl einfach zuzulassen und, ja, zu geniessen.

Mit Glücksmomenten funktioniert das nicht, wie wir ja alle wissen. Denn erstens wird uns erst im Nachhinein bewusst, dass wir in bestimmten Momenten glücklich waren, und zweitens lehrte uns Goethe: "Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn."

Ich habe inzwischen einiges gelernt. Manchmal genügt es schon, dass man einfach zufrieden ist, wenn irgendetwas nicht passiert ist. Was alles hätte passieren können!

Man kann sich drüber freuen und zufrieden sein und dann auch gleich wieder zum Fluchen und Schimpfen übergehen.

Christian Lindner!

nygaard

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Sonntag, 26. November 2017
Über kurz oder lang

Jetzt, wo der November fast vorüber ist und es nur noch weniger als einen Monat dauert, bis die Tage wieder länger werden, sehe ich fast schon das Licht am Ende des November-Tunnels, des trübsten Monats des Jahres.

Die Weihnachtszeit werden wir auch noch schnell rumkriegen und dann wird sich wieder auf den Frühling gefreut. Mit seinem Spargel, den Erdbeeren, der Kirschblüte und überhaupt der aufblühenden Natur.

Die Zeit geht manchmal sehr schnell rum und manchmal dauert sie eine gefühlte Ewigkeit. Naja, über "Sein und Zeit" will ich jetzt nicht philosophieren, bin schließlich nicht Heidegger und wohne auch nicht in einer Hütte im Schwarzwald.

Es ist halt alles relativ. Manchmal kommt es mir vor als würden die Romane immer kürzer und kürzere Texte immer häufiger. Das hängt wohl alles mit unserer "schnelllebigen" (?) Zeit zusammen, in der Texte wie dieser, der hier und jetzt gerade geschrieben beziehungsweise gelesen wird, immer häufiger werden. Das kann aber auch ganz schön täuschen.

Manche Texte werden nämlich immer länger, unübersichtlicher und auch schwieriger zu lesen. Ich denke da nicht an Wälzer im Format von "Krieg und Frieden", "Der Mann ohne Eigenschaften" oder "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit".

walser
Martin Walsers diesjähriges Werk ist kein Roman mehr, besteht aus unzähligen Kleinteilen und hat nur 171 Seiten.

Nein ich dachte jetzt gerade an die Spülmaschinenbonbons, die ich neulich kaufte.

finishrecto

Ich wusste nicht mehr genau welche Marke und welche Packungsgröße ich nehmen sollte und stöberte in dem reichhaltigen Angebot. Wichtig war mir eigentlich nur, dass ich die Tabs möchte, die man nicht erst noch auspacken muss.

finishverso

Wo steht's? Der Text auf der Rückseite ist einfach viel zu lang und zu klein gedruckt.

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Letzte Aktualisierung: 2017.12.14, 14:39
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Aber hallo,
Der Regenbogen-Farbverlauf trocknender Wäsche...
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